Das Schildpatt-Übergehäuse ist in einem phantastischen Zustand, denn es wurde sehr behutsam restauriert. Man nimmt dazu die gleiche Paste, mit der man leichte Oberflächenkratzer aus Kunststoffgläsern auspoliert. Natürlich darf dabei die Poliermaschine nicht zu schnell laufen, damit sich nicht zuviel Wärme entwickelt und das empfindliche Schildpatt dadurch zerstört wird. Leider spiegeln die Bilder den guten Zustand der Oberfläche nicht wider. Die beiden obigen Bilder wurden vor der Politur geknipst, etwas weiter unten sehen Sie die Bilder vor und nach der Politur.

oberes Bild: Schildpatt-Gehäuse vor der Politur

unteres Bild: Schildpatt-Gehäuse nach der Politur

oberes Bild: Schildpatt-Gehäuse vor der Politur

unteres Bild: Schildpatt-Gehäuse nach der Politur

Der empfindsame Sitebesucher sollte die folgenden Sätze besser nicht lesen, dem "Wissensdurstigen" jedoch möchte ich sie nicht ersparen ....

Die "gute alte Zeit", war sie wirklich so gut? Jedenfalls konnte sie auch ganz schön brutal sein: Zum Ende des 17. Jahrhunderts kam es in Mode, die Übergehäuse von Taschenuhren mit Haifisch- oder Ziegenleder, aber auch mit den feinen Häuten aus Schildpatt zu beziehen. Die hornhautartigen Platten der Karett-Schildkröte galten als besonders wertvoll, wenn sie aus großen zusammenhängenden Stücken in heller Grundfarbe mit dunklen feurigen Flecken bestanden. Die Karett-Schildkröte ist in den Gewässern vor den ostindischen Inseln und der Chinesischen See beheimatet. Sie wurde wegen ihres schönen Panzers (das Schildpatt) schon seit dem Altertum verfolgt und zählt heute durch das Washingtoner Artenschutzabkommen zu den geschützten Tieren.

Nur kurz und keinesfalls detailliert: Begehrt waren vor allem die vier großen Mittelblätter der insgesamt 13 Rückenplatten. Die Mittelblätter der bis zu 75kg schweren Tiere waren dann in etwa 30 x 17 cm groß. Das Schildpatt wurde gewonnen, indem man lebende Schildkröten so lange über glühendem Kohlefeuer aufhängte, bis sich die Platten langsam abhoben. Danach wurden die Tiere einfach wieder ins Wasser geworfen. Nun ja, was war, das war; heute sind solche Dinge in unserem scheinbar so zivilisierten Europa doch undenkbar, oder?

Schwamm drüber, schauen wir uns besser das wunderbare Werk an:

Chronoguide ist dem guten alten "Charles Cabrier Senior" irgendwo dankbar, denn die Spindeluhr vom Junior ist ja so wunderschön, und die Herstellung derselben müsste ihm eigentlich viel Spaß gemacht haben. Seine Flucht nach London war für ihn und auch für die uhrensammelnde Nachwelt wohl ein Segen, denn die obigen Bildchen hätte ich sonst wahrscheinlich nicht knipsen können.

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